Tai Chi – Chen Stil kurz vorgestellt

Innere Kampfstille

Wie bereits in einem unserer letzten Blogartikel beschrieben, handelt es sich beim Tai Chi (auch Taijiquan oder Tai Chi Chuan genannt) um eine im chinesischen Kaiserreich entwickelte Kampfkunst, die mittlerweile von Millionen von Menschen weltweit praktiziert wird und dadurch zu den Kampfkünsten mit den meisten Anhängern zählt. Tai Chi – Chen Stil ist in der Volkrepublik China ein Volkssport.
Im folgenden Artikel wollen wir uns einem der beiden großen Stile des Tai Chi widmen. Grundsätzlich unterscheidet man zwischen Chen- und Yang-Stil. Heute möchten wir vor allem den Chen Stil etwas genauer unter die Lupe nehmen und die Entstehung sowie die verschiedenen Systeme näher beschreiben.

Entstehung und Geschichte des Chen Stils

chentai chi

Die Anfänge des Chen Stils gehen bis ins 17. Jahrhundert zurück als dieser von der Familie Chen im

Dorf Chenjiagou entwickelt wurde. Seit jeher wurde der neue Stil des Tai Chi über Generationen hinweg weitergegeben und praktiziert. Als Begründer des Chen Stils gilt Chen Wangting. Er war General während der Ming Dynastie und befasste sich sehr viel mit den unterschiedlichen Kampfkünsten sowie dem Daoismus. Chen Wangting entwickelte mehrere Boxformen und Übungen wie beispielsweise die „schiebenden Hände“ oder die „Klebenden Speere“. Inspiration holte sich Wangting von den von General Qi Jiguang geschaffenen „32 Formen des Boxens“. Diese wandelte er nach seinen eigenen Vorstellungen und Erfahrungen ab. Ob bzw. inwieweit bei der Entwicklung des Chen Stiles auch Einflüsse der daoistischen Klöster einflossen, ist bis heute sehr umstritten.

Arten des Chen Stiles

Grundsätzlich kann man beim Chen Stil zwei Richtungen unterscheiden:
– Dajia: großer Rahmen
– Xiaojia: kleiner Rahmen
Im Grunde unterscheiden sich die beiden Arten des Chen Stiles für den Laien nicht sehr. Geübte Betrachter erkennen hingegen feine technische Unterschiede in der Ausführung. Die bekanntere und überwiegend praktizierte Art des Chen Stiles ist die des großen Rahmens.

Systeme des Chen Stiles

Der Chen Stil zeichnet sich durch ein schlüssiges Wechselspiel von weichen, runden und fließenden Bewegungen und schnellen überraschenden Techniken aus. Wie auch bei anderen Kampfkunstarten ist das Ziel des Chen Stiles eine umfassende Ausbildung von Körper und Geist. Der Chen Stil ist eine hochentwickelte Selbstverteidigungstechnik.

Stehende Säule

Diese Übung bildet das Zentrum des Tai Chi Trainings. Sie dient dazu den Körper im Gleichgewicht zu halten und zentrumsorientiert aufzustellen. Durch das lange und gerade Stehen soll sowohl der Geist, als auch der Körper zur Ruhe kommen. Das „Schwere“ soll dadurch absinken und die körpereigenen Energie – das Qi – soll aufsteigen. Dadurch werden Spannungen im Körper abgebaut. Das „Sinkenlassen“ des Gewichts erlaubt nach langer Übung einen unheimlich sicheren und stabilen Stand.

Seidenübungen

Mit den sogenannten Seidenübungen bzw. dem Seidenfadenziehen sollen die Qi Kreisläufe im Körper trainiert und im Gleichgewicht gehalten werden. Durch ständig wiederholte Übungen erfährt der Praktizierende die unterschiedliche Qualität von Yin und Yang.
Diese fortgeschrittene Übung bedarf jahrelanger Erfahrung und Training. Die Grundlage für die Seidenübungen und auch die Stehende Säule ist durch die „äußeren 3 Zusammenschlüsse“ gegeben. Was bedeutet, dass 1. Schultern und Hüften, 2. Ellenbogen und Knie sowie 3. Hände und Füße zusammenschließen.

Es gibt viele weitere Formen des Chen Stiles. Eine umfassende Aufzählung würde den Rahmen dieses Artikels sprengen.
Im folgenden Video sehen Sie eine Dokumentation über die Reise zur Quelle des Tai Chi mit Chen Xiaowang und Jan Silberstorff.

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