Zen als Lebensform und Achtsamkeit im Alltag

Fernöstliche Lebens-Kunst

Zen, der Weg der Achtsamkeit

Zen, einst untrennbar mit dem Buddhismus verknüpft, findet nun in vielen anderen Lebensformen seinen Einzug. Die Kirchen anderen Religionen sehen diesen Weg der Achtsamkeit als Teil des Glaubens an. Wer sich dem Minimalismus verschrieben hat, geht ebenfalls auf diesem Pfad. Und jeder, der eine asiatische Kampfsportart oder Kampfkunst ausübt, findet den Einfluss des Zen im Training wieder.

Loslassen befreit

zen entspannungUrsprünglich in China entstanden, fand Zen ab dem 12. Jahrhundert immer mehr Einfluss in Japan. Von dort aus geriet diese Strömung in die USA und nach Europa. Zen-Meister legen ihn so aus, dass Zen alles und nichts bedeute. Festhalten heißt Leiden, Gedanken blockieren die Wege, so ist ihre Ansicht. Um einen Ausweg aus diesem Kreis zu finden, begibt man sich in das Zazen, die Meditation im Sitzen. Gedanken, die kommen, werden losgelassen.

Ziel ist es, ganz entspannt sich auf den eigenen Atem zu konzentrieren, Leere soll eintreten. Geübt werden muss täglich, gerne auch mehrmals, wann immer man sich den Freiraum schaffen kann. Und irgendwann wird Zazen so gelingen, dass man sich mit seiner Hilfe die Minuten Auszeit immer dann gönnen kann, wenn die Situation Sammlung und Besinnung erfordert. Auch das Loslassen von Materiellem und die freiwillige Beschränkung auf wenige wichtige Dinge können Teil dieses Weges sein.

Alltagstechniken im Zen

Ebenso wichtig ist im Zen die Achtsamkeit im Alltag. Sich ganz auf die Dinge zu konzentrieren, die man gerade macht ist für uns Europäer nicht leicht. Wer spült, spült aufmerksam, aber mit der Aufmerksamkeit auf das Geschirr und nicht auf die freie Stunde danach. Diese Konzentrieren auf die Tätigkeit wird Samu genannt. Wer in der Natur spazieren geht, achtet auf Bäume, Sträucher und die Lebewesen. Die Hektik des Alltags, Gedanken an Geschäfte und Termine sollen außen vor bleiben. Diese Gehmeditation ist ein wichtiger Bestandteil des Zen. Das Kinhin, so der Name des achtsamen Gehens, soll ebenfalls fester Bestandteil eines jeden Tages werden.

Sesshin – der RückzugKlangschale

Weitere Bestandteile der Zen-Praxis sind Textlesungen und das Arbeiten mit Koans. Die Methoden eignen sich eher für den mehrtägigen Rückzug in Zen-Dos, den Stätten, an den Meditation gepflegt und Zen-Riten abgehalten werden. Hier kommen Klangschalen, Ritualgegenstände wie Räucherstäbchen, Kaisaku, der Holzstab sowie Glocke und Holzfisch, die Zeiteinheiten angeben, zum Einsatz. Wer sich seine alltäglichen Übungen des Zazens körperlich weniger anstrengend machen möchte, der findet geeignete Kissen, die das Sitzen auf den Fersen erleichtern. Mehr braucht es aber im Grunde nicht, denn Zen bedarf keiner äußeren Formen.

Zen, der schlichte Weg

Zen MeditationDiese Reduktion auf den reinen Weg wird auch von den westlichen Vertretern des Zens, wie beispielsweise Willigis Jäger, einem katholischen Mönch, bevorzugt. Er möchte Zen losgelöst vom Buddhismus betrachtet wissen. Dieser Abstand zu jeder Religion kann es uns Europäern vielleicht einfacher machen, uns ganz auf das Wesen, das Nichts und Alles, den Zen zu besinnen. Mit Skepsis betrachten Zen-Meister aber moderne Ergänzungen, den sogenannten Bindestrich-Zen. Business-Zen und Wellness-Zen sind oft mehr Hype als Hilfe. Dabei lässt sich Zen durchaus therapeutisch einsetzen: als Mittel gegen Stress und Depressionen, zur Steigerung der Konzentration und des Selbst-Bewusstseins.

Ein Weg mit vielen Möglichkeiten

Zen lässt sich im Alltag auch mit Sport und Kunst verbinden. Eugen Herrigel mit seinem Klassiker “Zen in der Kunst des Bogenschießens” und “Zen in der Kunst des Blumenweges” sowie Karlfried Graf Dürckheim mit “Wunderbare Katze und andere Zen-Texte gelang es wunderbar, das tiefe Wesen des Zens durch einen für Europäer nachvollziehbaren Weg zu schildern. Auch der Mönch Thích Nhat Hanh, der in Südfrankreich ein großes Praxiszentrum unterhält, gehört zu den Zen-Meistern, die bahnbrechend dafür waren, dass sich Zen in Europa etabliert. Er schätzt ebenfalls die einfachen Dinge, wie er in seinen Werken “Die Kunst einen Baum zu umarmen”, “Klar wie ein stiller Fluß” und “Umarme deine Wut” schildert. Allein diese Buchtitel geben einen Teil des Spektrums wieder, in dem Zen in jedermanns Alltag Einzug finden kann. Ein ruhigeres und achtsameres, ein dankbares Leben in Zufriedenheit sind der Lohn dafür, sich regelmäßig im Zen zu üben.

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