Judo und der Weg der Judokas

Äußere Kampfstile

Judo – Die Fusion asiatischer Kampfkünste

Judo wurde von dem 1860 geborenen Japaner Kano Jigoro entwickelt, der zuvor verschiedene asiatische Kampfkünste studiert und sich aus diesen das Beste herausgenommen hatte. Sein Ziel dabei war eine neue Kampfkunst, die einfacher zu erlernen ist und dabei effektiv im Ernstfall. Außerdem revolutionierte er das Rangsystem des Kampfsports, indem er die heute bekannten farbigen Gürtel einführte.

Entwicklung von Judo und die Abgrenzung zu anderen Kampfkünsten

Kano Jigoro befasste sich seinerzeit ausgiebig mit den verschiedenen Stilen des Jiu Jitsu. Ende des 19. Jahrhunderts entwickelte er aus diesen Stilen eine neue Kampfkunst, welche die Stärken jedes Stils zusammenfassen und die Schwächen auslöschen sollte. Er sah seine Hauptaufgabe darin, eine neue Kampfkunst zu schaffen, die Körper und Geist gleichermaßen trainiert und zudem noch effektiv in der Anwendung ist. Seine eigene Schule gründete Kano Jigoro im Jahr 1882, die öffentliche Anerkennung fand Judo etwa ab 1886 und verbreitete sich von dort an schnell.

Judo KampfDie meisten asiatischen Kampfkünste sind für harte Schlag- und Tritttechniken bekannt. Judo bedeutet wörtlich übersetzt “sanfter Weg” und kennzeichnet sich dadurch, dass dem Gegner nicht mit der größtmöglichen Kraft begegnet wird. Der Judoka versteht es hervorragend, jeden Fehltritt des Gegners auszunutzen, um diesen zu Fall zu bringen und dabei die vollständige Kontrolle über das Kampfgeschehen, besonders im engsten Nahkampf, zu behalten.

Die Techniken eines Judoka

diese beschränken sich fast ausschließlich auf

  • Würfe und
  • Haltegriffe.

Schläge und Tritte werden im späteren Verlauf des Judo-Trainings zwar gelehrt, haben jedoch eine stark untergeordnete Rolle. Das liegt daran, dass sich Judo unter anderem durch den Aufstieg zur Olympiadisziplin zu einer Wettkampfsportart entwickelt hat, bei deren Ausübung das Schlagen und Treten des Gegners als Regelverstoß gilt.

Physiologie beim Judo

Was den Judoka gefährlich macht ist nicht seine Kraft oder die Wirkung seiner Techniken, sondern sein Verständnis der Funktionsweise des menschlichen Körpers. Im Judo wird gelehrt, wie die Gelenke des Körpers funktionieren und wie man einen Gegner unter Zuhilfenahme von dessen Bewegungsenergie zu Boden wirft. Dadurch ist Judo als Kampfkunst gleichermaßen für große und kräftige wie auch für kleine und zierliche Menschen geeignet.
Viele Techniken im Judo beruhen darauf, dass die Bewegungsenergie eines Gegners ausgenutzt wird, um diesen zu Fall zu bringen. Konkret bedeutet dies, dass der Judoka einem vorwärts gehenden Gegner nicht mit entgegen gerichteter Körperkraft, sondern durch Zug begegnen wird. Durch diese unerwartete Reaktion aus dem Gleichgewicht gebracht, ist der Widersacher einfacher zu Boden zu zwingen, als wenn man ihn durch reine Kraftanwendung niederstrecken wollte. Im professionellen Wettkampf ist dies gut zu beobachten, da die Wettkämpfer stets auf einen Fehltritt des Gegners lauern.

Pädagogische Kampfkunst – gemeinsam trainieren und voneinander lernen

Einer der großen Vorteile des Judo ist, dass nur eine minimale Gefahr von Verletzungen besteht.
  • Trotz intensiven Trainingseinheiten sind die Techniken bei regelkonformer Ausführung für beide Trainingspartner eher ungefährlich.
  • Das Gegenteil ist der Fall, denn mit einem ebenbürtigen Übungspartner kann der Judo-Wettkampf zu einem spaßigen Spiel um den Sieg werden.
  • Die körperliche Herausforderung, die sich die Trainingspartner dabei gegenseitig bescheren, bestärkt dieses Erfolgserlebnis.

JudoEinen zentralen Bestandteil des Judo-Trainings bildet der Übungskampf, das sogenannte Randori. In diesem Randori soll es nicht darum gehen, um jeden Preis über den Gegner zu siegen, sondern darum, die erlernten Techniken im Fluss einer Auseinandersetzung sauber anzuwenden. Auf den ersten Blick ähnelt ein Randori einem echten Wettkampf, die Übungspartner lassen allerdings wegen des Trainingseffektes Würfe zu, die sie in einem Punktekampf geblockt hätten. Unter anderem durch diesen Effekt des freundschaftlichen Wettkampfes ist auch ein frühzeitiger Einstieg im Kindesalter möglich.

  • Die Kinder lernen dabei frühzeitig, dass ein effektives Training nur in der Gruppe möglich ist und sie üben sich darin, anderen zu vertrauen und selbst verantwortungsvoll zu handeln.
  • Außerdem schulen sie ihre Körperbeherrschung und Fitness.

In den ostasiatischen Ländern

beginnen viele Kinder bereits lange vor der Schule mit dem Kampfsport-Training, weil dieses in vielen Ländern zur täglichen Kultur gehört. In Deutschland liegt das Eintrittsalter je nach Verein meist bei fünf oder sechs Jahren.

Verbreitung in Deutschland

Erste Bekanntschaft mit Judo machte Deutschland in 1906 durch japanische Soldaten, die während eines Freundschaftsbesuchs ihre Nahkampf-Fertigkeiten vorführten. Die Entwicklung bis zum zweiten Weltkrieg verlief eher schleppend und nach dessen Ende wurde Judo von den Alliierten bis 1948 verboten. In 1952 wurde das Deutsche-Dan-Kollegium und ein Jahr später der Deutsche-Judo-Bund gegründet.

Im Jahr 1964 in Tokyo wurde Judo zum ersten Mal als olympische Disziplin eingeführt. Der deutsche Wolfgang Hofmann schaffte es in der Klasse bis 80 kg direkt auf den zweiten Platz. Obwohl sich der Sport vorher bereits weitläufig in Europa durchgesetzt hatte, sorgte dieses öffentliche Aufsehen für einen weiteren Aufschwung. Dass seit 1988 auch die Frauen in dieser Disziplin antreten, unterstützte diesen kontinuierlichen Vormarsch weiter. Der deutsche Judo Bund (DJB) gehört mit etwa 160000 Mitgliedern (Stand 2013) zu den größten nationalen Kampfsportverbänden und war bis 2012 sogar die Nummer eins. Mit der Organisation der Judo-Bundesliga und verschiedenen nationalen Meisterschaften wird das große Interesse am Sport befriedigt. Durch die freundschaftliche Atmosphäre eines Judo-Trainings und die Eignung für fast alle Alters- und Gewichtsklassen gehört diese Kampfsportart zu den beliebteren Sportarten in Deutschland und Europa.

 

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