Das Leben der Shaolin

Fernöstliche Lebens-Kunst

Disziplin und Gehorsam – das Leben der Shaolin

Viele Legenden ranken sich um die sagenumwobenen Shaolin. Von Hollywood bis Bollywood wurden Filme und Serien über die Mönche, ihre Fähigkeiten und vor allem ihre herausragende Kampfkunst gedreht. Was ist dran an den Mythen und was können wir Westler von den chinesischen Mönchen lernen?

Der Weg zu Stille und Einheit

MönchEs begann, wie alles, das mit dem Zen Buddhismus zu tun hat, mit Bodhidharmas Reise. Der indische Mönch war der erste Patriarch der Chan- oder Zen-Linie. Er lebte zwischen 440 und 528 nach Christi. Als Mitglied der Kshtriya-Kaste war er in der Kampfkunst Kuttu Varisai ausgebildet. Auf seiner Reise durch China ließ er sich im Tempel von Song Shan, am Fuße des Berges Songshan in der Provinz Henan, nieder.

Von hier aus brachte er den Chan-Buddhismus nach China. Aus ihm entwickelte sich das chinesische Zen. Um den Mönchen den Weg der inneren Sammlung zu erleichtern, führte Bodhidharma verschiedene körperliche Übungen ein, die er sicherlich im Rahmen seiner Kampfkunstausbildung in Indien erlernt hatte. Ob sich daraus tatsächlich das Kung Fu entwickelt hat, ist nicht eindeutig belegt.

Tatsache ist, dass das „echte“ Shaolin Kung Fu der Mönche auch heute noch vor allem dazu dient Disziplin und innere Sammlung zu erreichen. Es ist eine Kampfkunst, bei der es nicht um den Kampf gegen einen äußeren Gegner geht. So steht bei den Mönchen nie der Konkurrenzgedanke im Vordergrund. Es gibt im Kung Fu auch keine Grade oder Gürtel. Hier stehen Disziplin und Selbstbeherrschung im Mittelpunkt. Ohne absolute Konzentration sind die Übungen nicht durchzuführen.

„Kung Fu ist Bewegungsmeditation“, so der in Berlin lehrende chinesische Kung Fu Meister Shi Yan Yao. Im Alltag der Mönche hat deshalb Zazen, die Sitzmeditation im Zen, eine wesentliche Bedeutung.

Der Tagesablauf in einem Shaolin Kloster

Der Alltag für einen chinesischen Shaolin Mönch beginnt in der Regel weit vor Sonnenaufgang mit Rezitationen und Zazen. In europäischen Shaolin Tempeln läutet die Glocke zur Morgenmeditation meist erst um 6.00 Uhr. Aber auch hier beginnt der Tag mit Rezitieren und Zazen. Die Sitzmeditation dauert 50 Minuten. Während dieser Zeit sitzt der Schüler im vollen oder halben Lotus bewegungslos auf seinem Kissen. Der Körper ist gerade aufgerichtet, das Kinn leicht zum Schlüsselbein geneigt. Die halb geöffneten Augen verharren etwa einen Meter vor ihm auf dem Boden, ohne etwas zu mönchfixieren.

Um 7,00 Uhr gibt es Frühstück. Traditionell handelt es sich hierbei um eine Art Reisbrei, der mit Obst angereichert ist. Dazu wird Tee gereicht. Das Essen in einem Zen Kloster wir stets in absoluter Ruhe und sehr konzentriert und schnell zu sich genommen.

Das erste Kung Fu Training startet für die Laien und Mönche in europäischen Klöstern in der Regel um 8,00 Uhr und dauert meist zwei Stunden. Danach folgt Samu, das meditative Arbeiten. Hierzu zählt alles, was im Klosteralltag notwendig ist. Die Pflege der Gärten gehört ebenso dazu wie das Reinigen von Toiletten und Gängen. Dass die Gänge mit Zahnbürsten geschrubbt werden, ist eher eine Legende. Tatsache ist jedoch, dass alle Arbeiten in einem Zen Kloster mit absoluter Sorgfalt und Achtsamkeit ausgeführt werden müssen. Nach dem Arbeiten wird zu Mittag gegessen und anschließend geruht.

Das zweite Training des Tages beginnt in europäischen Shaolin Tempeln meist um 15,00 Uhr und dauert bis 18,00 Uhr an. Nach dem Abendessen gibt es theoretischen Unterricht oder die Möglichkeit zum Self-Study. Der Tag endet nach der Abendzeremonie um 21.00 Uhr.

Disziplin, Hingabe und Gehorsam

Das Leben eines Shaolin Mönchs ist geprägt von Disziplin, Hingabe an die Lehre des Buddhas und Gehorsam gegenüber seinem Meister.
gehorsamDer Buddhismus lehrt dass Leiden, Dukkha, durch Begehren oder Gier verursacht wird. Um dieses Dukkha zu überwinden ist es wichtig, sich an den Achtfachen Pfad zu halten. Er wurde von Buddha selbst übermittelt.

  1. Die rechte Erkenntnis. Hierbei geht es um das Wissen über das Leiden, seine Ursache und den Weg es zu überwinden.
  2. Die rechte Gesinnung. Das bedeutet der Gier zu entsagen und nicht aus Wut, Groll oder Rachsucht zu handeln.
  3. Die rechte Rede. Sie beinhaltet nicht nur nicht zu lügen und nicht schlecht über andere zu sprechen. Sie bedeutet auch, die Worte sorgfältig zu wählen und nicht unnütz zu plappern.
  4. Die rechte Tat heißt, nicht zu töten, zu stehlen und sich keinen Ausschweifungen hinzugeben.
  5. Der rechte Lebenserwerb bedeutet, nichts zu tun was anderen schadet und einen guten Lebenswandel einzuhalten.
  6. Die rechte Anstrengung. Hiermit sind der Wille und die Disziplin gemeint, alle destruktiven Dinge zu vermeiden.
  7. Die rechte Achtsamkeit. Das bedeutet insbesondere, alle Gefühle und Sinneserfahrung wahrzunehmen. Sie sollen jedoch nicht die Herrschaft über das Handeln übernehmen.
  8. Die rechte Sammlung. Über die rechte Sammlung kommt der Mensch schließlich zu Gleichmut, Klarheit und Freiheit von Begierden.

Dieser achtfache Pfad macht deutlich, dass es beim Kung Fu nicht um das Töten geht. Denn wer die Lehre des Buddha Leben der Shaolinernst nimmt, darf nicht töten. Wobei es im Buddhismus, wie in jeder anderen Religion auch, immer wieder unterschiedliche Interpretationen dieses Verbots gibt. So gehört tätiges Mitgefühl zu den wichtigsten Geboten, die ein gläubiger Buddhist einhalten soll. Das führt häufig zu der Lehrmeinung, dass derjenige, der andere unterdrückt und quält getötet werden darf. Diese Ansicht führte zu den großen Kämpfen der Shaolin Mönche im 7 Jahrhundert.

Das Training in einem Shaolin Kloster

In China trainieren die Mönche so oft es ihnen möglich ist. Da können leicht bis zu 10 Stunden und mehr am Tag zusammen kommen. Zum Training gehören neben den Kampftechniken des Kung Fu vor allem auch Abhärtungs- und Balanceübungen.

Die Bewegungen im Kung Fu sind weich und fließend und werden stundenlang wiederholt. Die Übungen sind häufig dem
Tierreich abgeschaut. Es gibt Übungen mit Namen wie „der Drache“ oder „die Gottesanbeterin“. Alle diese Übungen erfordern eine vollkommene Körperbeherrschung.

Kung Fu wird mit und ohne Waffen trainiert. Die am häufigsten benutze Waffe ist der Stock, der eine sehr hohe Konzentration erfordert. Anfänger schlagen sich immer wieder mit dem langen Stock gegen Arme und Beine. Gerade diese schmerzhafte Übung macht das Training mit dem Stock so effektiv für die Konzentration.
Wer ein wirklich guter Kung Fu Kämpfer werden möchte, der braucht Disziplin, Geduld und vor allem eine hohe Leidensfähigkeit.

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